Sonntag, Januar 22, 2006

SKANDAL - RATSMITGLIEDER FLOGEN NACH NORWEGEN

Gut, der ein oder andere mag meinen, dass der eigentlich Skandal darin bestünde, dass sie wieder zurückgefunden haben. Das ist eine andere Sache. Natürlich ist es kein Skandal, von einem Lieferanten (auch, wenn der Quasi-Monopolist ist) auf eine Reise eingeladen zu werden. Zumal, wenn es sich dabei um eine Informationsreise handelt. Dass es dabei im Fall der Willicher Vorständler und dem Versorger "Ruhrgas" nicht um eine direkte Vorteilsnahme seitens des Konzerns handelte, ist insofern logisch, als dass die Verträge über die Lieferung von Gas eine Laufzeit von 20 Jahren haben und schon 1996 abgeschlossen wurden. Die Reise fand 2002 statt. Also bitte: Hosen wechseln, alles ist gut.

Fast alles. Generell fragt sich der (erfundene und exemplarische) Gaskonsument in Anrath ein paar andere Dinge. Zum Beispiel, was die Vorstände der Stadtwerke Krefeld und Willich (siehe auch → WZ-NEWSLINE) denn nun wirklich auf so einer Gasplattform zu suchen hatten - abgesehen vom "muss man mal gesehen haben"-Faktor.

Christoph Heyes (Junge Union Willich) schreibt dazu in einer → Antwort auf meinen Kommentar im JU Blog:

Natürlich bekommt man auf einer Gasplattform andere Einsichten in die Chancen und Risiken eines Enrgieträgers der vorwiegend unter schwierigen Bedingungen dem Meer abgetrotzt wird.

Richtig. Dass der Energieträger im Meer, unter schwierigen Bedingungen und unter Zuhilfenahme von vielen Rohren, Kabeln und Metall gewonnen wird. Wie muss man sich jetzt die direkten Auswirkungen auf die Arbeit des Vorstandes in Willich vorstellen? Mir fällt leider nicht einmal das absurdeste Beispiel ein, wie diese Reise Auswirkungen auf die Versorgerleistung der Stadtwerke Willich haben könnte. Was hat man als Besucher einer solchen Plattform an fachlichen Informationen mitgebracht, das sich nicht auch in jedem "Was ist was" oder diverser Fachliteratur, Fach-Publikationen und Unternehmensbroschüren hätte finden lassen?

Eher eine Randnotiz ist dann auch dieser Absatz aus WZ-NEWSLINE:

Die am 31. Januar 2003 rechtskräftig gewordene Übernahme von Ruhrgas durch Eon war allerdings mit der kartellrechtlichen Auflage verbunden, dass 20 Prozent der Gasmenge, die ein örtlicher Versorger bezieht, von einem anderen Lieferanten kommen sollten. Die Stadtwerke machten 2003 davon jedoch keinen Gebrauch. Was laut Lopez aber nichts mit der Norwegen-Tour zu tun hatte: Eon-Ruhrgas habe für die Lieferung der 20 Prozent ein konkurrenzlos günstiges Angebot gemacht, der Vertrag sei jährlich kündbar.

Die "politische Landschaftspflege" ist existent, und sie wird auch dadurch nicht weniger, weil eon Ruhrgas seine Reisen zunächst eingestellt hat. Skandal? Nö. Bestechung? Unwahrscheinlich. Ungeschickt? Ganz bestimmt. Typisch Willich eben.

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