Wenn man sich trennt, dann hat das gleichzeitig etwas Selbstzerstörerisches. Träume, Wünsche, Hoffnungen. Vieles von dem, was man für die Wahrheit hielt, geht unwiderbringlich verloren. Ein bisschen von dem Respekt vor sich selbst, ein bisschen Vertrauen in sich.
Freitag, Oktober 21, 2005
Sonntag, Oktober 16, 2005
Was bleibt ...
Am 17. Oktober 2004 ist meine Mutter gstorben. Friedlich, wie man so schön sagt. Friedlich, mit einem Pfropfen in der Lunge. Das war viel zu früh, gar keine Frage. Sie hat ihr Leben lang ums leidige Geld gekämpft und gegen alle verloren.
Gegen den Mitarbeiter der Deutsche Bank Willich, der ihr sagte, sie gebe zuviel Geld aus. Da war mein Vater längst tot, und meine Mutter hatte etwa 60 Euro/Woche für drei Personen zum Leben. Der Banker war sich auch nicht zu blöd, ihr ins Gesicht zu sagen, er müsse schließlich auch haushalten. Heute wäre ich endlich in der Lage, ihr mehr als nur Hilfe anzubieten. Sie so zu unterstützen, dass sie Spaß in den letzten Jahren hätte haben können.
Sie hat gegen die latente Armut gekämpft und verloren. Gegen die Bequemlichkeit meines Vaters. Verloren. Gegen die Ungerechtigkeit, dass sie krank wurde. Gegen die Wirrungen meiner Geschwister. Gegen die Hunger ihrer Katze. Verloren. Verloren. Verloren.
Sie war keine Verliererin. Sie hat mindestens zwei Kämpfe erfolgreich geführt und den jeweiligen Gegner vernichtend geschlagen. Dummheit, Ignoranz, Verschlagenheit, Unhöflichkeit, Unehrlichkeit, Hass, Gewalt, Neid, Ellbogenmentalität und all die anderen schlechten Dinge, die einen Menschen befallen können, die hat sie bei mir nicht zugelassen. Ihr zweiter Kampf war der gegen meine Erkrankung. Auch den hat sie gewonnen.
Ich vermisse sie sehr.
Gegen den Mitarbeiter der Deutsche Bank Willich, der ihr sagte, sie gebe zuviel Geld aus. Da war mein Vater längst tot, und meine Mutter hatte etwa 60 Euro/Woche für drei Personen zum Leben. Der Banker war sich auch nicht zu blöd, ihr ins Gesicht zu sagen, er müsse schließlich auch haushalten. Heute wäre ich endlich in der Lage, ihr mehr als nur Hilfe anzubieten. Sie so zu unterstützen, dass sie Spaß in den letzten Jahren hätte haben können.
Sie hat gegen die latente Armut gekämpft und verloren. Gegen die Bequemlichkeit meines Vaters. Verloren. Gegen die Ungerechtigkeit, dass sie krank wurde. Gegen die Wirrungen meiner Geschwister. Gegen die Hunger ihrer Katze. Verloren. Verloren. Verloren.
Sie war keine Verliererin. Sie hat mindestens zwei Kämpfe erfolgreich geführt und den jeweiligen Gegner vernichtend geschlagen. Dummheit, Ignoranz, Verschlagenheit, Unhöflichkeit, Unehrlichkeit, Hass, Gewalt, Neid, Ellbogenmentalität und all die anderen schlechten Dinge, die einen Menschen befallen können, die hat sie bei mir nicht zugelassen. Ihr zweiter Kampf war der gegen meine Erkrankung. Auch den hat sie gewonnen.
Ich vermisse sie sehr.
Freitag, Oktober 14, 2005
Busbuchten - Fortsetzung

Es gibt in Schiefbahn nur noch eine Busbucht. Die links. Die anderen sind irgendwann einmal von der Stadtverwaltung bei diversen Umbaumaßnahmen entfernt worden. Busbuchten waren die kluge Erfindung, die haltende Linienbusse aus dem normalen Verkehr in eine Busbucht lenkten. Da konnten sie stehen bis zur Wiederauferstehung, ohne den Verkehr zu behindern.
In Willich gilt so etwas aber mittlerweile als Sünde. Den Verkehr nicht zu blockieren, ist schändlich. Den Verkehr in den engen Ortsmitten unserer Stadt fließen zu lassen, gilt beinahe als pervers. Zumindest könnte man das angesichts der Anstrengungen annehmen, die von den entsprechenden Planern unternommen wurden und werden. Die Buchten wurden also entfernt. Die Idee zur Entfernung von Busbuchten kommt wohl von Martina Stall, der Technischen Beigeordneten der Stadt Willich, zumindest aber aus dem Fachbereich II. Dem wir unter anderem Erfolgsstorys wie Kreisverkehr Alt-Willich, Kreisverkehr Schiefbahn, Verkehrsführung Alt-Willich rund um die Kirche, sowie die wunderschöne Fußgängerzone Anrath zu verdanken haben. Mein persönlicher Favorit aber ist die Verkehrsführung in Wekeln, bei der Durchgangsverkehr absichtlich zur Entschleunigung durch eine Spielstraße geleitet wird.
Man entfernte also die Busbuchten (dafür gab's ja auch Fördermittel), und lässt seitdem haltende Linienbusse den gesamten Verkehr aufhalten. Auf der Hochstraße kann man das in Spitzenzeiten alle 15 Minuten erleben. über etwa 2 Kilometer Länge erstreckt sich die Hochstraße, von der viele kleinere, aber ebenfalls wichtige Straßen abgehen. Und wenn man einmal hinter einem solchen Lininebus hängt, bleibt man bis mindestens zum Gymnaisum St. bernhard auch genau da. Es gibt keine Überholmöglichkeit, ohne andere Verkehrsteilnehmer zumindest zu beunruhigen. Und so reihen sie sich hinter die Linienbusse, die mitunter fünfzehn bis zwanzig Fahrzeuge. Fahren los, halten an. Fünfehn Fahrzeuge, die fünfzehn Mal ihre Abgase und Motorengeräusche in die Anliegerwohnungen pusten. Und dann fahren alle wieder los. Ziehharmonika-Effekt. Die Autos in den Seitenstraßen haben zu solchen Gelegenheiten kaum eine Möglichkeit, auf die Hochstraße zu biegen - schon gar nicht in Richtung Links.
Das ist Stand der Dinge in Schiefbahn. Momentan, muss man dazu wissen, überlegt man, wie die Hochstraße entlastet werden könnte, damit es sich da unter anderem nicht immer so dolle staut.
In Willich gilt so etwas aber mittlerweile als Sünde. Den Verkehr nicht zu blockieren, ist schändlich. Den Verkehr in den engen Ortsmitten unserer Stadt fließen zu lassen, gilt beinahe als pervers. Zumindest könnte man das angesichts der Anstrengungen annehmen, die von den entsprechenden Planern unternommen wurden und werden. Die Buchten wurden also entfernt. Die Idee zur Entfernung von Busbuchten kommt wohl von Martina Stall, der Technischen Beigeordneten der Stadt Willich, zumindest aber aus dem Fachbereich II. Dem wir unter anderem Erfolgsstorys wie Kreisverkehr Alt-Willich, Kreisverkehr Schiefbahn, Verkehrsführung Alt-Willich rund um die Kirche, sowie die wunderschöne Fußgängerzone Anrath zu verdanken haben. Mein persönlicher Favorit aber ist die Verkehrsführung in Wekeln, bei der Durchgangsverkehr absichtlich zur Entschleunigung durch eine Spielstraße geleitet wird.
Man entfernte also die Busbuchten (dafür gab's ja auch Fördermittel), und lässt seitdem haltende Linienbusse den gesamten Verkehr aufhalten. Auf der Hochstraße kann man das in Spitzenzeiten alle 15 Minuten erleben. über etwa 2 Kilometer Länge erstreckt sich die Hochstraße, von der viele kleinere, aber ebenfalls wichtige Straßen abgehen. Und wenn man einmal hinter einem solchen Lininebus hängt, bleibt man bis mindestens zum Gymnaisum St. bernhard auch genau da. Es gibt keine Überholmöglichkeit, ohne andere Verkehrsteilnehmer zumindest zu beunruhigen. Und so reihen sie sich hinter die Linienbusse, die mitunter fünfzehn bis zwanzig Fahrzeuge. Fahren los, halten an. Fünfehn Fahrzeuge, die fünfzehn Mal ihre Abgase und Motorengeräusche in die Anliegerwohnungen pusten. Und dann fahren alle wieder los. Ziehharmonika-Effekt. Die Autos in den Seitenstraßen haben zu solchen Gelegenheiten kaum eine Möglichkeit, auf die Hochstraße zu biegen - schon gar nicht in Richtung Links.
Das ist Stand der Dinge in Schiefbahn. Momentan, muss man dazu wissen, überlegt man, wie die Hochstraße entlastet werden könnte, damit es sich da unter anderem nicht immer so dolle staut.
Just in time
Die Volksbank Willich ist mit der aus Mönchengladbach fusioniert. Das ist mir persönlich völlig wurscht. Bis heute jedenfalls. Man muss dazu wissen, dass ich bei der Volksbank ein Geschäftskonto und ein Privatkonto habe. Für diese beiden Konten gab es heute, 13. Oktober, wichtige Informationen. Nämlich: Kontonummer und Bankleitzahl haben sich geändert.
Okay, damit muss man leben. Und zwar schon ab Morgen, 14. Oktober. Das ist überraschend. Information just in time, sozusagen. Gut, ein bisschen eher hätte die Info kommen dürfen, wie ich finde. Etwa einen Monat oder so. Aber das ist wohl zuviel verlangt.
Gleichzeitig stand in dem Infoschreiben, dass heute die Filialen geschlossen sind und das Onlinebanking offline bliebe. Schön, das zu erfahren. Es ergab sich, dass wir aber heute just etwas wichtiges überweisen mussten. Der Anruf in der Filiale in Neersen, unseren Ansprechpartnern, wurde nicht ganz kundenorientiert abgewickelt. Auf die Frage, warum wir denn nicht vorher schon einmal etwas von Umstellung und Schließung von Filialen und Onlinebanking erfuhren, antwortete man uns, dass das ja schließlich lang genug in der Filiale ausgehangen war.
Kurzer Tipp dazu, Volksbank Mönchengladbach (geb. Willich): Es gibt Onlinebanking-Kunden, die machen Onlinebanking, und die sieht man nie nie niiiiiemals in der Filiale. Manche kommen nur alle paar Wochen 'rein und achten ganz bestimmt nicht auf Poster oder Mitteilungen. Es wäre also a) serviceorientiert und b) nur logisch, allen Kunden zur gleichen Zeit die gleiche Information zukommen zu lassen, oder wie seht ihr das?
Ich empfehle für die Zukunft, dass ihr, liebe Volksbank Mönchengladbach (geb. Willich) ab und zu mal bei uns im Wohnzimmer vorbeischaut. Da schreibe ich nämlich demnächst hin, was ich euch zu sagen habe.
Okay, damit muss man leben. Und zwar schon ab Morgen, 14. Oktober. Das ist überraschend. Information just in time, sozusagen. Gut, ein bisschen eher hätte die Info kommen dürfen, wie ich finde. Etwa einen Monat oder so. Aber das ist wohl zuviel verlangt.
Gleichzeitig stand in dem Infoschreiben, dass heute die Filialen geschlossen sind und das Onlinebanking offline bliebe. Schön, das zu erfahren. Es ergab sich, dass wir aber heute just etwas wichtiges überweisen mussten. Der Anruf in der Filiale in Neersen, unseren Ansprechpartnern, wurde nicht ganz kundenorientiert abgewickelt. Auf die Frage, warum wir denn nicht vorher schon einmal etwas von Umstellung und Schließung von Filialen und Onlinebanking erfuhren, antwortete man uns, dass das ja schließlich lang genug in der Filiale ausgehangen war.
Kurzer Tipp dazu, Volksbank Mönchengladbach (geb. Willich): Es gibt Onlinebanking-Kunden, die machen Onlinebanking, und die sieht man nie nie niiiiiemals in der Filiale. Manche kommen nur alle paar Wochen 'rein und achten ganz bestimmt nicht auf Poster oder Mitteilungen. Es wäre also a) serviceorientiert und b) nur logisch, allen Kunden zur gleichen Zeit die gleiche Information zukommen zu lassen, oder wie seht ihr das?
Ich empfehle für die Zukunft, dass ihr, liebe Volksbank Mönchengladbach (geb. Willich) ab und zu mal bei uns im Wohnzimmer vorbeischaut. Da schreibe ich nämlich demnächst hin, was ich euch zu sagen habe.
I, Satan
Typisch. Sagste, was Du denkst und bist der Meinung, dass die persönliche Freiheit Grundrecht ist, bist Du entweder Amerikaner oder Satanist:
You scored as Satanism. Your beliefs most closely resemble those of Satanism! Before you scream, do a bit of research on it. To be a Satanist, you don't actually have to believe in Satan. Satanism generally focuses upon the spiritual advancement of the self, rather than upon submission to a deity or a set of moral codes. Do some research if you immediately think of the satanic cult stereotype. Your beliefs may also resemble those of earth-based religions such as paganism.
Which religion is the right one for you? (new version) created with QuizFarm.com |
Ich glaube ja eher, Atheist zu sein, schlimmstenfalls "Heide", also der paganistischen Art zugeschlagen. Meine Kandidatur als CDU-Kanzlerkandidat kann ich mir aber in jedem Fall abschminken.
Donnerstag, Oktober 13, 2005
Busbuchten
Gerade habe ich erfahren, dass jemand in Schiefbahn eine existierende und benutzte Busbucht gefunden hat. Werde mir das mal ansehen.
In der Zeitung
Ich offenbare mal eine kleine Profilneurose: Heute steht mein Gesicht neben einem wesentlich attraktiveren Gesicht in der zeitung. Das ist nix Neues. Aber diesmal habe ich es in den Anriss auf dem Titel ganz oben geschafft. Wo soll das noch hinführen ...
Mittwoch, Oktober 12, 2005
In einer kleinen Stadt - Teil 1
Irgendein Tag in irgendeinem Rathaus eines kleinen Städtchens. Planerin S. sitzt vor ihrem Computer und blättert durch interne Internetseiten der Landesregierung. Nervös klickt sie mit der Maus durch die Menüstruktur. Endlich hat sie den Link gefunden. Beherzt klickt sie auf "Fördermittel". Eine Art Katalog öffnet sich vor ihren Augen. Sie setzt sich aufrecht. Sieht sich um. Verdammt, kein Publikum anwesend. Verärgert greift sie sich das Telefon, tippt blind die Nummer, während ihre Augen den Katalog schon einmal absuchen.
"B." meldet sich lapidar eine typische Beamtenstimme.
"Ich sagte: Wenn er nicht im Haus ist, habt ihr mich Bürgermeisterin zu nennen", faucht S.. Befriedigt hört sie, wie B.s Kiefer zuklappt.
"Sie sind es!" haucht B. erschrocken. S. hört, wie B. einen jämmerlichen Versuch startet, das Telefon mit der Hand abzudecken. Jedes Wort versteht sie. "Die Hexe ist noch im Turm!" Sie hört auch Schubladen zuklappen, schnelle Schritte, Türen, die sich schließen. Und einen leisen Ton, fast wie ein Weinen. Langgezogen, quälend. Draußen starten Autos, fahren mit kreischenden Reifen vom Parkplatz.
Mist, denkt sie, und: DoggyBags.
"Wie bitte?" kommt die weinende Stimme wieder an ihr Ohr. "Haben Sie DoggyBags gesagt?"
"Komm her. Sofort." befiehlt sie, ohne auf die Frage einzugehen.
B. steht hinter ihr. Er weint nicht mehr. Der Knebel tut seine Wirkung. Er muss stehen, damit sie hört, wenn er erstickt. Die meisten fallen kurz vorher besinnungslos um. Routine für sie. Sie seufzt und widmet sich wieder ihrem Katalog. Langsam fährt sie mit der Maus an den kleinen Kästchen vorbei. Jedes könnte sie anklicken, und automatisch würde der Drucker einen Scheck über die dort stehende Fördersumme ausdrucken, zweckgebunden natürlich. Aber sie musste vorsichtig sein.
Damals, das mit der Brücke, das war knapp. Hätte sie nicht diesen Politiker auf ihre Seite bekommen, indem sie die Brücke gelb streichen ließ - dabei hatte sie voller Zuversicht schon schwarz und rot gekauft sowie einige Quadratkilometer grünes Klebemoos. Und alle hatten sie im Stich gelassen. Bis auf diesen einen Kerl. Und selbst das war knapp, denn plötzlich kamen diese jungen Stümper mit einem Namenswettbewerb. Sie kreuzt die Finger und denkt dreimal Nur mühsam hatte sie ihn halten können, den Unterstützer. "Wir benennen die nächste Brücke nach Dir", hatte sie ihm angeboten, aber er winkte ab. Wollte nichts mehr damit zu tun haben. Als sie ihm in Aussicht stellte, dass der ausgebaute Flughafen nach ihm benannt würde und er den ersten Airbus A 310 einwinken durfte, gab er nach. Apropos. Flughafen. Sie musste sich unbedingt informieren, wie es um die Genehmigung stand.
Sie hatte es gefunden. Sie kiekste, klickte und lehnte sich zurück. Um sofort wieder nach vorn zu schnellen. Es piept dumpf und eine Warnmeldung erscheint auf dem Bildschirm. INFRASTRUKTUROVERLOAD steht da. "Verdammt", murmelt sie, "verdammt, verdammt, verdammt". Sie klickt auf Info. "Sie haben die maximale Anzahl Kreisverkehre in Ihrer Kommune erreicht. Bauen Sie eine Umgehungsstraße oder entfernen Sie eine Brücke um einen weiteren Kreisverkehr errichten zu können." Ein weiterer Klick und sie befindet sich wieder im Katalog. Sie sucht. Umgehungsstraße. Da war es. Und es war durchstrichen. Zur Zeit keine Fördermittel vorhanden. Die Brücke konnte sie nicht entfernen. ER hatte ihr verboten, sich jemals wieder mit Brücken zu befassen. Die Lücke in ihrem Gebiß hatte sie deshalb gar nicht erst behandeln lassen.
Sie sucht weiter. Irgendetwas musste doch ... "DoggyBag-Spender aus platiniertem Karbon, elektronisch versenkbar", liest sie und scrollt schnell weiter. Doggybag. Was war das nur mit diesen Doggybags? "Schwebebahn" liest sie weiter. Langweilig. Der Eintrag "Transrapid komplett, Streckenlänge 450 Meter" lässt sie kurz zögern. Damit könnte man fast eine Freizeitbahn rund um den See im Park ... Nein. Die Magnete würden den ganzen Unrat aus dem See ziehen. Brrr. B. plumpst irgendwie weinerlich auf den Boden. Sie wirft einen Blick über die Schulter und sieht, dass sich durch den Aufprall der Knebel gelockert hat. Speichelschaum fliesst aus seinem Mund und verunreinigt ihren Teppich. Sie ekelt sich und greift geistesabwesend nach einem Plan auf ihrem Tisch. "Technisches Rathaus" steht darauf. Sie überlegt kurz und setzt ihre Unterschrift darunter, wo "Genehmigt und angewiesen von" steht. Sie würde ihren neuen Teppich bekommen. Alles war gut.
Lesen Sie nächstes Mal: Krise im Dezernat - würde jemand merken, dass der veränderte Kreisverkehr weder Zu- noch Abfahrtmöglichkeit besitzt? Außerdem: Wie S. aus Versehen eine Autobahnauffahrt umgraben lässt.
Anmerkung: Dies ist Satire.
"B." meldet sich lapidar eine typische Beamtenstimme.
"Ich sagte: Wenn er nicht im Haus ist, habt ihr mich Bürgermeisterin zu nennen", faucht S.. Befriedigt hört sie, wie B.s Kiefer zuklappt.
"Sie sind es!" haucht B. erschrocken. S. hört, wie B. einen jämmerlichen Versuch startet, das Telefon mit der Hand abzudecken. Jedes Wort versteht sie. "Die Hexe ist noch im Turm!" Sie hört auch Schubladen zuklappen, schnelle Schritte, Türen, die sich schließen. Und einen leisen Ton, fast wie ein Weinen. Langgezogen, quälend. Draußen starten Autos, fahren mit kreischenden Reifen vom Parkplatz.
Mist, denkt sie, und: DoggyBags.
"Wie bitte?" kommt die weinende Stimme wieder an ihr Ohr. "Haben Sie DoggyBags gesagt?"
"Komm her. Sofort." befiehlt sie, ohne auf die Frage einzugehen.
B. steht hinter ihr. Er weint nicht mehr. Der Knebel tut seine Wirkung. Er muss stehen, damit sie hört, wenn er erstickt. Die meisten fallen kurz vorher besinnungslos um. Routine für sie. Sie seufzt und widmet sich wieder ihrem Katalog. Langsam fährt sie mit der Maus an den kleinen Kästchen vorbei. Jedes könnte sie anklicken, und automatisch würde der Drucker einen Scheck über die dort stehende Fördersumme ausdrucken, zweckgebunden natürlich. Aber sie musste vorsichtig sein.
Damals, das mit der Brücke, das war knapp. Hätte sie nicht diesen Politiker auf ihre Seite bekommen, indem sie die Brücke gelb streichen ließ - dabei hatte sie voller Zuversicht schon schwarz und rot gekauft sowie einige Quadratkilometer grünes Klebemoos. Und alle hatten sie im Stich gelassen. Bis auf diesen einen Kerl. Und selbst das war knapp, denn plötzlich kamen diese jungen Stümper mit einem Namenswettbewerb. Sie kreuzt die Finger und denkt dreimal Nur mühsam hatte sie ihn halten können, den Unterstützer. "Wir benennen die nächste Brücke nach Dir", hatte sie ihm angeboten, aber er winkte ab. Wollte nichts mehr damit zu tun haben. Als sie ihm in Aussicht stellte, dass der ausgebaute Flughafen nach ihm benannt würde und er den ersten Airbus A 310 einwinken durfte, gab er nach. Apropos. Flughafen. Sie musste sich unbedingt informieren, wie es um die Genehmigung stand.
Sie hatte es gefunden. Sie kiekste, klickte und lehnte sich zurück. Um sofort wieder nach vorn zu schnellen. Es piept dumpf und eine Warnmeldung erscheint auf dem Bildschirm. INFRASTRUKTUROVERLOAD steht da. "Verdammt", murmelt sie, "verdammt, verdammt, verdammt". Sie klickt auf Info. "Sie haben die maximale Anzahl Kreisverkehre in Ihrer Kommune erreicht. Bauen Sie eine Umgehungsstraße oder entfernen Sie eine Brücke um einen weiteren Kreisverkehr errichten zu können." Ein weiterer Klick und sie befindet sich wieder im Katalog. Sie sucht. Umgehungsstraße. Da war es. Und es war durchstrichen. Zur Zeit keine Fördermittel vorhanden. Die Brücke konnte sie nicht entfernen. ER hatte ihr verboten, sich jemals wieder mit Brücken zu befassen. Die Lücke in ihrem Gebiß hatte sie deshalb gar nicht erst behandeln lassen.
Sie sucht weiter. Irgendetwas musste doch ... "DoggyBag-Spender aus platiniertem Karbon, elektronisch versenkbar", liest sie und scrollt schnell weiter. Doggybag. Was war das nur mit diesen Doggybags? "Schwebebahn" liest sie weiter. Langweilig. Der Eintrag "Transrapid komplett, Streckenlänge 450 Meter" lässt sie kurz zögern. Damit könnte man fast eine Freizeitbahn rund um den See im Park ... Nein. Die Magnete würden den ganzen Unrat aus dem See ziehen. Brrr. B. plumpst irgendwie weinerlich auf den Boden. Sie wirft einen Blick über die Schulter und sieht, dass sich durch den Aufprall der Knebel gelockert hat. Speichelschaum fliesst aus seinem Mund und verunreinigt ihren Teppich. Sie ekelt sich und greift geistesabwesend nach einem Plan auf ihrem Tisch. "Technisches Rathaus" steht darauf. Sie überlegt kurz und setzt ihre Unterschrift darunter, wo "Genehmigt und angewiesen von" steht. Sie würde ihren neuen Teppich bekommen. Alles war gut.
Lesen Sie nächstes Mal: Krise im Dezernat - würde jemand merken, dass der veränderte Kreisverkehr weder Zu- noch Abfahrtmöglichkeit besitzt? Außerdem: Wie S. aus Versehen eine Autobahnauffahrt umgraben lässt.
Anmerkung: Dies ist Satire.
Montag, Oktober 10, 2005
Deutschland dienen
Wie ... äh ... gut, dass das Ringen um die Macht in Berlin ein Ende hat. Ein vorläufiges zwar nur, aber immerhin ist einer dieser Momente erreicht, an denen man sagen kann: Ab hier.
Ab hier also haben wir wohl eine Bundeskanzlerin. Eine, die dem Land dienen will. Man mag meinen, dass genug gedient worden wäre, hätte sie verzichtet. Eine "andere Lebensplanung" bekannt gegeben. Andererseits freue ich mich auf die kommenden Monate, in denen Angela Merkel Bundeskanzlerin ist. Man muss sich ja auch an wem reiben können.
Die SPD wiederum - lassen wir das. Wie anders die Situation für die an der Macht beteiligte SPD jetzt ist ... Vor dem Mißtrauensvotum war man nicht regierungsfähig, jetzt erst recht nicht. Die SPD-Anhänger werden mit den durch die Unions-Waschmaschine zerfledderten Wahlversprechen sicher viel anfangen können.
Angela Merkel dürfte mit ihrer Entscheidung, eine Koalition mit der SPD als Grundlage für die Regierung des Landes zu akzeptieren, bauchlanden. Das wird sie gemerkt haben, denn trotz hartnäckiger Nachfrage zweier Journalistinnen inklusive einem beherzten "Come on!" lautete die Antwort auf die Frage "Sind Sie glücklich" lauwarm: "Es geht mir gut". Bloß nicht noch mehr "Oil in the fire" gießen, wie sie seinerzeit während der großen Schweigeminute zwischen Schröder und Bush dem amerikanischen Regierungschef in texanischen Ohren säuslete.
Die SPD wird - Koalitionsvereinbarung hin oder her - alles unterlassen, was die erste Bundeskanzlerin dieses Landes stärken könnte. "Wie soll denn das gehen" fragte Joschka Fischer nach ersten Mutmaßungen über eine schwarz-grüne Koalition. Die SPD hat da weniger Hemmungen. Das Böse an sich wird als Regierungsmacht akzeptiert und man hängt sich fröhlich hinten dran. Wo sich die Sozialdemokratie damit befindet, mag man sich mit geringen anatomischen Kenntnissen selbst ausmalen. Das Rot der SPD sollte also in zukünftigen Publikationen per CMYK-Farbmodell neu definiert werden und einen gehörigen Anteil K (also: schwarz) beinhalten.
Dummerweise fehlt es an Alternativen. Die einzig akzeptablen Regierungschefs aller Parteien ducken sich, die große - von vielen erwartete - Revolution in der Union blieb aus. Vielleicht aber auch, weil sie ahnen, dass die Ära dieser dienenden Regierungschefin in wenigen Monaten vorbei sein könnte. Und dann kann man ja aus der Deckung immer noch den Kopf recken und rufen: "Ich hab's ja gleich geahnt."
Ab hier also haben wir wohl eine Bundeskanzlerin. Eine, die dem Land dienen will. Man mag meinen, dass genug gedient worden wäre, hätte sie verzichtet. Eine "andere Lebensplanung" bekannt gegeben. Andererseits freue ich mich auf die kommenden Monate, in denen Angela Merkel Bundeskanzlerin ist. Man muss sich ja auch an wem reiben können.
Die SPD wiederum - lassen wir das. Wie anders die Situation für die an der Macht beteiligte SPD jetzt ist ... Vor dem Mißtrauensvotum war man nicht regierungsfähig, jetzt erst recht nicht. Die SPD-Anhänger werden mit den durch die Unions-Waschmaschine zerfledderten Wahlversprechen sicher viel anfangen können.
Angela Merkel dürfte mit ihrer Entscheidung, eine Koalition mit der SPD als Grundlage für die Regierung des Landes zu akzeptieren, bauchlanden. Das wird sie gemerkt haben, denn trotz hartnäckiger Nachfrage zweier Journalistinnen inklusive einem beherzten "Come on!" lautete die Antwort auf die Frage "Sind Sie glücklich" lauwarm: "Es geht mir gut". Bloß nicht noch mehr "Oil in the fire" gießen, wie sie seinerzeit während der großen Schweigeminute zwischen Schröder und Bush dem amerikanischen Regierungschef in texanischen Ohren säuslete.
Die SPD wird - Koalitionsvereinbarung hin oder her - alles unterlassen, was die erste Bundeskanzlerin dieses Landes stärken könnte. "Wie soll denn das gehen" fragte Joschka Fischer nach ersten Mutmaßungen über eine schwarz-grüne Koalition. Die SPD hat da weniger Hemmungen. Das Böse an sich wird als Regierungsmacht akzeptiert und man hängt sich fröhlich hinten dran. Wo sich die Sozialdemokratie damit befindet, mag man sich mit geringen anatomischen Kenntnissen selbst ausmalen. Das Rot der SPD sollte also in zukünftigen Publikationen per CMYK-Farbmodell neu definiert werden und einen gehörigen Anteil K (also: schwarz) beinhalten.
Dummerweise fehlt es an Alternativen. Die einzig akzeptablen Regierungschefs aller Parteien ducken sich, die große - von vielen erwartete - Revolution in der Union blieb aus. Vielleicht aber auch, weil sie ahnen, dass die Ära dieser dienenden Regierungschefin in wenigen Monaten vorbei sein könnte. Und dann kann man ja aus der Deckung immer noch den Kopf recken und rufen: "Ich hab's ja gleich geahnt."
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